Aktives Zuhören – ein Muss in jedem Projekt

Manchmal ist es wie verhext.

Im Projekt läuft alles gut. Man kommt zügig voran. Und dann gibt es doch Unstimmigkeiten und Missverständnisse. 

Im schlimmsten Fall ist das gesamte Projekt dadurch gefährdet.

Das muss nicht sein!

Und oft reicht schon konsequentes aktives Zuhören aus, um Probleme von Anfang an zu vermeiden.

Die vier Arten des Zuhörens

Bei genauem Hinsehen lassen sich vier Arten des Zuhörens unterscheiden.

Pseudo-Zuhören

Wie des Name schon sagt: das Pseudo-Zuhören ist gar kein Zuhören. 

Der Zuhörer wartet nur darauf, den Sprecher unterbrechen zu können, um dann seine eigenen Gedanken vorzutragen. Damit das leichter geht, gibt er immer wieder Zeichen der Zustimmung. Kopfnicken oder ein schnelles "ja". Diese Zustimmung ist aber nicht echt. Sie ist vorgetäuscht, um möglichst schnell selbst zu Wort zu kommen.

Es geht dem Zuhörer hier nicht darum, den Sprecher zu verstehen. Nicht die Inhalte und auch nicht seine Meinung oder Empfindungen zum Thema.

Pseudo-Zuhören ist in angespannten Projektsituationen häufig zu beobachten.

Aufnehmendes Zuhören

Beim aufnehmenden Zuhören geht es dem Zuhörer darum, die Gedanken des Sprechers zu verstehen. Er möchte möglichst genau wissen, worum es dem Sprecher geht.

Ein aufnehmender Zuhörer ist sehr konzentriert. Und er signalisiert durch Kopfnicken, dass er etwas verstanden hat.

Seine eigenen Ansichten stellt der aufnehmende Zuhörer zurück. Er äußert keine eigenen Gedanken oder Meinungen.

Aufnehmendes Zuhören in Reinform ist selten. Sie können es aber z.B. beobachten, wenn ein Mitarbeiter nach seinem Urlaub einfach sachlich auf den aktuellen Stand kommen möchte.

Umschreibendes Zuhören

Beim umschreibenden Zuhören wiederholt der Zuhörer das Gesagte mit eigenen Worten. Er umschreibt, was er gehört hat.

Damit signalisiert er, dass er konzentriert zugehört hat. Außerdem werden dadurch Lücken und Missverständnisse schnell aufgedeckt und aufgeklärt.​

Auch beim umschreibenden Zuhören verzichtet der Zuhörer darauf, seine eigenen Standpunkte und Meinungen zu äußern. Er gibt auch keine Hinweise oder Ratschläge.

​Das umschreibende Zuhören ist sehr gut zur Klärung von Sachverhalten und zum Vermeiden von Missverständnissen geeignet. In gut funktionierenden Teams ist es häufig zu beobachten.

Aktives Zuhören

Das aktive Zuhören ist eine Erweiterung des umschreibenden Zuhörens.

Der Zuhörer achtet hier zusätzlich auch auf die emotionale Ebene des Gesprächs. Er registriert, wie sich der Sprecher fühlt. Er nimmt wahr, was dieser eigentlich sagen will. Und er spricht diese Gefühlsebene auch an. Er verbalisiert die Gefühle seines Gegenübers. 

Ein aktiver Zuhörer sagt Dinge wie "Unter diesen Umständen kann ich Ihre Verärgerung gut verstehen." oder "Ich spüre, dass Sie diese Situtation sehr beschäftigt."

Durch aktives Zuhören entsteht gegenseitiges Verständnis. Das Gespräch ist fruchtbar. Dinge werden geklärt. Auf der sachlichen Ebene und auch auf der Ebene persönlicher Empfindungen.​

Wie Sie üben können

Gespräche beobachten

Eine einfache Übung, die Sie jederzeit machen können ist, Gespräche anderer zu verfolgen. In jedem Projekt bieten sich dauernd Gelegenheiten dazu. Wenn nicht, sollten Sie sich Gedanken über das Projekt machen.

Hören Sie zu und fragen Sie sich, welche Art des Zuhörens Sie gerade beobachten. Achten Sie dabei auf positive, gesprächsfördernde Signale wie

Blickkontakt, Kopfnicken, entspannte Haltung, Zusammenfassungen, Sachlichkeit, Pausen​

Aber achten Sie auch auf negative Signale, die das Gespräch hemmen:

Abgewandtheit, starrer Blick, Wegsehen, Ungeduld, Unterbrechen, Beurteilen, Bewerten, Ratschläge geben

Eigene Gespräche

Beobachten Sie bei Gesprächen Ihr eigenes Verhalten. Welche Art des Zuhörens praktizieren Sie?

In welchen Situationen hören Sie aktiv zu? In welchen machen Sie etwas anderes? 

Bei welchen Personen fällt es Ihnen besonders leicht, aktiv zuzuhören?

Üben Sie einzelne Elemente des Zuhörens. Umschreiben Sie. Fassen Sie zusammen. Hören Sie zwischen den Zeilen und erfassen Sie die emotionale Ebene des Gesprächs.

Sie werden Gespräche mit ganz anderen Augen sehen. Und Sie werden merken, wie Sie mit wenigen kleinen Änderungen viel besser kommunizieren können.​

Zusammenfassung

Es gibt vier wichtige Arten des Zuhörens:

Beim Pseudo-Zuhören will der Zuhörer nur möglichst bald selbst zu Wort kommen.

Beim aufnehmenden Zuhören möchte der Zuhörer das Gesagte möglichst gut verstehen.

Beim umschreibenden Zuhören gibt der Zuhörer das Gesagte mit eigenen Worten wieder und klärt so Missverständnisse.

Beim aktiven Zuhören bezieht der Zuhörer auch die emotionale Ebene des Gesprächs mit ein. Er verbalisiert die Empfindungen seines Gesprächspartners.

Über den Autor Erwin J. Bauer

Mich interessiert wie wir denken, lernen, verstehen und kommunizieren. Als Berater, Projektmanager und Coach lerne ich täglich dazu.

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