Mit dem Gedächtnispalast zum Superhirn

Wo steht Ihr Schreibtisch? Welche Bäume befinden sich vor Ihrem Haus?

Wahrscheinlich wissen Sie das sehr genau. Und Sie haben vor Ihrem inneren Auge auch eine klare Vorstellung davon.

Unser Gehirn hat riesige Mengen solcher Informationen zu unserer Umgebung gespeichert. Und diese Information ist ein wahrer Schatz, wenn wir Sie zur Verbesserung unseres Gedächtnisses nutzen.

In meinem letzten Artikel haben Sie die Kettentechnik kennengelernt. Mit ihr lernen Sie Listen, z.B. Ihre Einkäufe, sehr schnell. Aber jede Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Wenn Sie eine Verbindung in ihrer Liste vergessen, kommen Sie nur mit dem halben Einkauf nach Hause.

Diese Schwäche behebt der Gedächtnispalast. Und mehr als das. Mit etwas Übung können Sie dauerhaft hunderte und tausende von Fakten lernen.

Architektur des Wissens

Denken Sie bitte kurz an einen knallgelben Adler, der auf Ihrem Stuhl im Wohnzimmer sitzt und ein Kirchenlied singt.

Was ist gerade passiert? Sie haben ohne jede Anstrengung eine Information gelernt, an die Sie selbst in Wochen oder Monaten noch erinnern werden. Und wenn Sie diese Tatsache Freunden erzählen, werden Sie vielleicht nie wieder den singenden, knallgelben Adler auf Ihrem Stuhl vergessen.

Warum funktioniert das so gut?

Weil Sie das Neue - den knallgelben Adler - mit etwas Bekanntem verknüpft haben. In diesem Fall etwas Bekanntem, das sich an einem vertrauten Ort befindet.

Genau das ist der Sinn des Gedächtnispalastes.​

Jeder Ort eine Information

Was sollte Sie daran hindern, weitere wichtige Informationen an bekannten Orten abzulegen?Einfach, indem Sie sich die zugehörigen Bilder intensiv vor Augen führen?

Stellen Sie sich folgende Situation vor. Auf dem Weg zur Arbeit gehen Ihnen mehrere Dinge durch den Kopf, die Sie tun müssen und nicht vergessen wollen: 

  •  dem Kollegen zum Geburtstag gratulieren
  •  die Niederlassung Hamburg anrufen
  •  die Umsatzzahlen für Japan ausdrucken
  •  den Bericht für den Aufsichtsrat vorbeiten
  •  die Liste der neuen Kunden aktualisieren

Gehen Sie jetzt in Gedanken in Ihr Büro. Als erstes stellen Sie sich den Schreibtisch Ihres Kollegen vor, auf dem heute ein riesiges Paket mit roter Schleife liegt.

Dann gehen Sie weiter zu Ihrem Schreibtisch. Zu Ihrer Überraschung schwimmt Ihr Telefon in einem Modell des Hamburger Hafens. Sie erkennen das an der Elbphilharmonie.

Sie drehen sich um und Ihr Blick fällt auf den Drucker. Ein japanisches Modell, auf das gerade ein japanischer Monteur mit einem japanischen Werkzeug einschlägt.

Es wird Ihnen zu laut in Ihrem Büro. Sie gehen in das geräumige, holzgetäfelte Zimmer des Aufsichtsrates und bereiten dort den Bericht vor.

Als Sie damit fertig sind, steht schon eine lange Schlange neuer Kunden vor der Tür. Sie aktualisieren nach und nach deren Daten.

Jetzt haben Sie spielend eine ziemlich sinnlose Liste gelernt. Mit Ihren eigenen Informationen an Ihren eigenen Orten geht das natürlich noch viel schneller und leichter!

Anbau gefällig?

Ihr Gehirn lernt Unmengen von Dingen.

Und mit dem Gedächtnispalast machen Sie es ihm sehr leicht. Es kann dann genau die Dinge lernen, die Ihnen wichtig sind.

Und das Beste daran ist, dass Sie die Orte, die Räume, die Gegenstände in den Räumen unbegrenzt erweitern können. 

Nehmen Sie Ihre Wohnung. Oder die Wohnungen, in denen Sie früher gewohnt haben. 

Nehmen Sie ein Gebäude, das Sie gut kennen als Gedächtnispalast. Vielleicht eine Kirche. Vielleicht die Gebäude Ihrer Firma oder eines früheren Arbeitgebers.

Sie können sich natürlich auch reine Gedankengebäude erschaffen. Erinnern Sie sich an die Liste aus meinem Artikel zu einfachen Merktechniken?

Sie könnten sich für jede Zahl ein eigenes Gebäude denken. Gebäude drei betreten Sie, indem Sie vorher über eine riesige Wiese von Klee gehen. Und dort legen Sie alle Informationen zu Pflanzen ab.

Bauen Sie sich gedanklich ein Gebäude für Ihre Mitarbeiter, wenn Sie Manager sind. Legen Sie alles, was Sie mit einem Mitarbeiter besprechen, in dessen Zimmer ab.

Konstruieren Sie ein Gebäude für alle Ihre Kunden. Jeder hat ein eigenes Zimmer mit wichtigen Details über ihn. Vielleicht haben Sie auch verschiedenfarbige Stockwerke, bei denen die Farbe die Bedeutung des Kunden widerspiegelt?!​

Bauen Sie sich verschiedene Gebäude für Ihre Vorlesungen, wenn Sie Student sind, oder Dozent. Gliedern Sie das "Chemiegebäude" nach Stoffklassen. Entwerfen Sie einen eigenen Anbau für das Periodensystem der Elemente. Bauen Sie für jedes Element einen eigenen Raum, der mit der Ordnungszahl des Elementes nummeriert ist. In Zimmer 2 befindet sich Helium, Zimmer 16 riecht schon durch die Tür stark nach Schwefel.​ In diesen Räumen sind alle wichtigen Eigenschaften der Elemente mit Gegenständen verknüpft.

Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Und Ihr Gehirn hat ein wirklich unglaubliches Leistungsvermögen. Versuchen Sie es einfach!​

Brandstiftung? Manchmal schon!

Manchmal kommt es vor, dass Sie eine Information, die Sie an einem bestimmten Ort abgelegt haben, wieder "löschen" wollen. 

Aber Löschen ist bei unserem Gedächtnis leider genauso schwer, wie jetzt NICHT an einen Elefanten zu denken.

Die gute Nachricht ist, dass wir die Merktechniken genau so gut als Löschtechniken benutzen können. ​Und dafür verbrennen wir die gemerkten Informationen einfach. Sie haben richtig gehört: wir verbrennen sie. Und zwar in Gedanken, indem wir uns vorstellen, dass Sie in Flammen aufgehen und dann verschwinden.

Nehmen Sie das Geschenk mit der roten Schleife auf dem Schreibtisch Ihres Kollegen. Sicher können Sie sich gut vorstellen, wie es in lodernden Flammen verbrennt. Vielleicht müssen Sie sogar husten, weil es so schrecklich qualmt.

Bei jeder Erinnerung an Ihre Liste werden Sie jetzt wissen, dass Ihr Kollege doch nicht Geburtstag hatte.​

Zusammenfassung

Der Gedächnispalast ist eine sehr mächtige Merktechnik, mit der Sie sich tausende von Fakten leicht merken können.

Beim Merken verknüpfen Sie die neuen Informationen mit bekannten Orten.

Ein Gedächtnispalast ist beliebig erweiterbar.

Über den Autor Erwin J. Bauer

Mich interessiert wie wir denken, lernen, verstehen und kommunizieren. Als Berater, Projektmanager und Coach lerne ich täglich dazu.

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