Wieso auch Ihr Projekt in einer Parallelwelt lebt

Haben Sie sich schon einmal gefragt, woher der Begriff "Projekt" kommt? 

Er geht auf das lateinische proicere zurück, das mit vorwärtswerfen oder nach vorne werfen übersetzt werden kann.​ Deshalb wird bisweilen auch der Begriff Entwurf im Sinne von Projekt verwendet. 

Aber was wird bei Projekten eigentlich geworfen? Und wer wirft?​ 

500 Jahre Projekte 

Die ersten Verwendungen des Begriffes Projekt im Sinne eines gedanklichen Entwurfs finden sich bereits im 16. Jahrhundert. Der Begriff project manager tauchte erstmals im Jahr 1913 auf. Und im Jahr 1935 wurden in den USA die ersten Bauvorhaben als projects bezeichnet.

Das verwandte Verb projizieren hat eine noch erfolgreichere Karriere hinter sich. Bereits im späten 15. Jahrhundert wurde es im Sinne von planen verwendet. Seit 1865 nennt man das Darstellen eines Licht-Bildes an einer Leinwand projizieren. Und 1895 übernahm Sigmund Freund das Wort in die Begriffswelt der Psychoanalyse. Von projizieren spricht man dort, wenn eine Person die eigenen Eigenschaften einer anderen Personen zuschreibt.

Projektmanagement als Blick in die Zukunft

Was wird also beim Projektmanagement geworfen? Es ist der sprichwörtliche Blick in die Zukunft.

Natürlich gibt es diesen Blick in die Zukunft andauernd. Jeder Mensch denkt immer wieder daran, was sein wird. Im Projektmanagement ist dieses in-die-Ferne-sehen aber Methode und wesentliche Grundlage.

​Jede Planung, in der Aktivitäten festgelegt oder Meilensteine gesetzt werden, ist auf die Zukunft gerichtet. Jede Anforderung, die im Rahmen eines Projektes formuliert wird, beschreibt einen Zustand, der in der Zukunft erreicht werden soll.

Ein Projektleiter denkt also immer über zwei Dinge nach: die momentane Situation und die Zukunft. Und alles, was er tut, ist darauf ausgerichtet, in einer sehr komplexen Angelegenheit den besten Weg in diese Zukunft zu finden.

Projektmanagement erfordert ein hohes Maß an hypothetischem Denken. Es gibt kein Projekt ohne dauernde was wäre wenn - Betrachtungen.

Die Praxis von Gegenwart und Zukunft

In Projektbesprechungen gibt es manchmal ein interessantes Phänomen: Es findet keine Trennung zwischen der Tatsache, dass es eine bestimmte Tätigkeit gibt und der Ausführung dieser Tätigkeit statt. Jemand spricht ein Thema an und alle diskutieren sofort über dieses Thema.

Projektarbeit bedeutet aber, dass vor der Ausführung einer Tätigkeit überlegt wird, wer dies wann am sinnvollsten macht.​

Das heißt nicht, dass nichts sofort besprochen werden sollte. Aber jeder Projektmanager sollte gegebenenfalls Aufgaben vertagen. Das Bild der zukünftigen Parallelwelt kann dabei hilfreich sein, den Mitarbeitern diesen Unterschied nahezubringen.

Umgekehrt können Sie auch gelegentlich das gegenteilige Phänomen beobachten: die Mitarbeiter sprechen andauernd nur über die Zukunft. Sie planen ohne zu handeln.

So etwas kann viele Gründe haben. Jedenfalls sollten Ihnen derartige Beobachtungen zu denken geben. Und möglicherweise müssen Sie auch steuernd eingreifen.

Die Zukunft als Leitbild

Ein Aspekt des Denkens in zwei Welten hat eine weitere wichtige Bedeutung für jedes Projekt.

Die zukünftige Welt ist ein Ziel, auf das alle hinarbeiten. Sie ist das Leitbild, an dem sich alle orientieren. 

Damit meine ich nicht nur die großen Visionen, die sich hinter einer Projektidee verbergen können. Es sind auch die kleinen Veränderungen und die einzelnen Schritte. Gerade sie können wir uns sehr konkret vorstellen. Ihr Sinn ist für jeden begreifbar.

In einem solchen Leitbild steckt eine große Chance für jedes Projekt. 

Zusammenfassung

Jedes Projekt lebt in zwei Welten:

der zukünftigen Welt, in der die Projektziele erreicht sind

der gegenwärtigen Welt, in der an den Projektzielen gearbeitet wird

Projektarbeit ist die Kunst, eine Vision von der Zukunft zu entwickeln und einen Weg von der einen in die andere Welt zu finden. Auch wenn sich die zukünftige Welt auf diesem Weg manchmal ein wenig ändert.

Über den Autor Erwin J. Bauer

Mich interessiert wie wir denken, lernen, verstehen und kommunizieren. Als Berater, Projektmanager und Coach lerne ich täglich dazu.

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